____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Berlin-Blockade
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Als Berlin-Blockade (auch: Erste Berlin-Krise) wird die Blockade der drei Westsektoren Berlins durch die Sowjetunion vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 bezeichnet. Als Folge dieser Blockade konnten die Westalliierten den Westteil Berlins, der teils von der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), teils vom Sowjetischen Sektor Berlins umgeben war, nicht mehr ĂŒber die Land- und Wasserverbindungen versorgen. Die Blockade war ein Mittel im Kalten Krieg, mit dem die Sowjetunion versuchte, West-Berlin und in der Folge ganz Deutschland in ihren Machtbereich einordnen zu können. BegrĂŒndet wurde sie zunĂ€chst mit der Tage zuvor von den Westalliierten in der Trizone eingeleiteten WĂ€hrungsreform. Die Westalliierten begegneten der Blockade mit der Berliner LuftbrĂŒcke und mit einer Gegenblockade. Die Sowjetunion hob die Berlin-Blockade auf, ohne ihre Ziele erreicht zu haben.
Contents
âą Vorgeschichte
âą Allgemeines
âą Gegenblockade
âą Kulturdiplomatie
âą Folgen vor Ort
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Vorgeschichte
Londoner Protokoll zum besonderen Status Berlins
Im Londoner Protokoll ĂŒber die Besatzungszonen in Deutschland und die Verwaltung von GroĂ-Berlincite-ref-1[1] hatten die Vier MĂ€chte in Punkt 1 festgelegt:
âDeutschland wird [âŠ] zum Zwecke der Besetzung in vier Zonen eingeteilt, von denen je eine einer der vier MĂ€chte zugewiesen wird, und ein besonderes Berliner Gebiet, das der gemeinsamen Besatzungshoheit der vier MĂ€chte unterworfen wird.â
Dieses âbesondere Berliner Gebietâ sollte gemÀà Punkt 2 des Protokolls âgemeinsam von den [âŠ] StreitkrĂ€ften der USA, des UK, der UdSSR und der Französischen Republik besetzt [werden]. Zu diesem Zweck wird das Gebiet von GroĂ-Berlin in vier Teile eingeteilt.â Diese Teile nannte man spĂ€ter Sektoren. Die Stadt lag also nach der bedingungslosen Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkriegs als Viersektorenstadt zwar geografisch mitten in der SBZ, sollte aber aufgrund des Vier-MĂ€chte-Status politisch durch die Alliierte Kommandantur verwaltet werden. Die vier Besatzungszonen wurden durch den Alliierten Kontrollrat regiert, der darĂŒber hinaus im gegenseitigen Einvernehmen Entscheidungen ĂŒber alle Deutschland als Ganzes betreffenden wesentlichen Fragen traf. Denn völkerrechtlich ĂŒbte der Kontrollrat die auswĂ€rtige Gewalt fĂŒr âDeutschland innerhalb der Grenzen, wie sie am 31. Dezember 1937 bestandenâ aus.cite-ref-2[2]
Zugesicherte Versorgungswege, ausgeschlossene Versorgung
Bei der Festlegung der Sektoren in der Konferenz von Jalta waren keine Regelungen ĂŒber die Verkehrswege zwischen den Berliner West-Sektoren und den West-Zonen getroffen worden. Am 29. Juni 1945, einige Tage vor dem Einzug ihrer Truppen in die West-Sektoren, forderten daher General Lucius D. Clay und General Ronald Weeks von ihrem Kollegen Marschall Georgi Schukow vier Zuglinien, zwei StraĂen und zwei Luftkorridore, um darĂŒber ihre Soldaten und deren Angehörige versorgen zu können. Schukow gestand zunĂ€chst nur eine Zuglinie, eine StraĂe (ĂŒber Helmstedt-Marienborn) und einen Luftkorridor zu. Im zwischenzeitlich eingerichteten Kontrollrat sicherten die Sowjets am 10. September 1945 den nunmehr drei westlichen Stadtkommandanten mĂŒndlich zu, dass tĂ€glich bis zu zehn ZĂŒge durch die SBZ nach West-Berlin fahren dĂŒrfen. Diese Zahl wurde am 3. Oktober 1947 auf 16 ZĂŒge pro Tag erhöht â allerdings erneut nicht durch schriftlichen Vertrag. Am 30. November 1945 wurden den westlichen Stadtkommandanten drei Luftkorridore von Hamburg, Hannover und Frankfurt am Main nach Berlin schriftlich zugesagt. Am 26. Juni 1946 sagte die sowjetische Seite schriftlich zu, dass unter bestimmten EinschrĂ€nkungen auch die Wasserwege durch die SBZ von und nach West-Berlin genutzt werden dĂŒrfen, worĂŒber bisher die ganz ĂŒberwiegende Menge der Steinkohle aus dem Ruhrgebiet nach Berlin gekommen war.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-0[3]
In einer informellen Besprechung am 7. Juli 1945, also noch vor Einrichtung der Berliner Kommandantur und des Alliierten Kontrollrats fĂŒr gesamtdeutsche Fragen, erklĂ€rte Marschall Schukow, dass die westlichen Sektoren Berlins weder mit Lebensmitteln noch mit Steinkohle aus der SBZ versorgt wĂŒrden, weil die SBZ derzeit in groĂem Umfang durch Lebensmittel aus der Sowjetunion versorgt werden mĂŒsse und das Kohlerevier in Schlesien inzwischen unter polnischer Verwaltung stehe. Clay und Weeks akzeptierten dies.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-1[3] Zwar wurde die Vorgabe Schukows anfangs noch unter Mitwirkung oder doch Billigung der sowjetischen Seite in eigenem Interesse umgangen, im Verlauf der Blockade aber zunehmend konsequent umgesetzt.cite-ref-tagesspiegel-1261340-4-0[4]
Zunahme der Spannungen und Behinderungen
Bereits im April 1945, noch vor der Kapitulation und vollstĂ€ndigen Besetzung Deutschlands, hatte Josef Stalin gegenĂŒber Milovan Djilas dargelegt, was er als Folge militĂ€rischer Besetzungen ansah: âWer ein Gebiet besetzt, wird auch sein Gesellschaftssystem bestimmen. Jeder wird sein System so weit einfĂŒhren, wie seine Armee vorrĂŒcken kann.âcite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Entsprechend kam es seit 1944 zur Errichtung sozialistischer bzw. kommunistischer Regimes in den osteuropĂ€ischen Staaten Polen (1944), Albanien (1944), Bulgarien (1944), Ungarn (1945), Tschechoslowakei (1948) und RumĂ€nien (1948). Auf diese Expansion antworteten die WestmĂ€chte ab 1947 mit ihrer Containment-Politik, der Ost-West-Konflikt vertiefte sich. Im durch die vier MĂ€chte besetzten Deutschland wurde er besonders deutlich. Abweichend vom Beschluss im Zonenprotokoll vertrat die Sowjetunion immer hĂ€ufiger die Auffassung, die ehemalige Reichshauptstadt Berlin sei als Ganzes Bestandteil ihrer Besatzungszone. Sie schrĂ€nkte die Zufahrtswege von den Westzonen in die Westsektoren Berlins immer wieder ein, meist unter der Angabe technischer Schwierigkeiten oder formaler Erfordernisse â es entwickelte sich nach den Worten des französischen PrĂ€sidenten ein âKrieg der Nadelsticheâ (âune petite guerre Ă coups dâĂ©pinglesâ):cite-ref-tusa-tusa-1989-3-2[3] So erklĂ€rte die Sowjetische MilitĂ€radministration in Deutschland (SMAD) Mitte Januar 1948 die Durchfahrgenehmigungen fĂŒr Transporte auf der Autobahn zwischen Helmstedt und Berlin fĂŒr ungĂŒltig. Zehn Tage spĂ€ter wurde der Nachtzug von Berlin nach Bielefeld in der SBZ aufgehalten. 120 deutsche Passagiere wurden nach Berlin zurĂŒckgeschickt, die ĂŒbrigen, Angehörige der britischen Besatzungsmacht, durften erst nach elf Stunden Wartezeit weiterfahren. Im Februar wurde ein unter amerikanischer Regie fahrender Eisenbahnzug behindert, weitere Schikanen der sowjetischen Besatzungsbehörden trafen auch die Binnenschifffahrt.cite-ref-benz-2005-7-0[7]
Am 12. MĂ€rz 1948 hatte der sowjetische AuĂenminister Molotow nach einer Besprechung Stalins mit militĂ€rischen Beratern ein Memorandum erhalten, wie die westlichen Alliierten durch ein âRegulierenâ des Zugangs zu Berlin unter Druck gesetzt werden könnten. Am 26. MĂ€rz 1948 suchten die Vorsitzenden der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, Stalin auf. Pieck berichtete, im Oktober sei die nĂ€chste Wahl in Berlin, er glaube nicht, die SED werde dabei besser abschneiden als 1946, und wĂŒnsche, man wĂ€re die Alliierten los. Stalin entgegnete, vielleicht könnten die Alliierten aus Berlin âherausgeworfenâ werden.cite-ref-8[8]cite-ref-miller-1998-9-0[9]
Seit 23. Februar 1948 fand unter Ausschluss der Sowjetunion die Londoner SechsmĂ€chtekonferenz statt. Bereits ein Zwischen-KommuniquĂ© vom 6. MĂ€rz 1948 lieĂ eine enge wirtschaftspolitische Zusammenarbeit der drei Westzonen unter Nutzung des Marshallplans (EuropĂ€ischen Wiederaufbauprogramms) erwarten:cite-ref-10[10] âDa es sich als unmöglich erwiesen hat, die wirtschaftliche Einheit Deutschlands zustande zu bringen, und die Ostzone gehindert worden ist, ihre Rolle im europĂ€ischen Wiederaufbauprogramm zu spielen, sind die drei WestmĂ€chte ĂŒbereingekommen, zwischen ihnen und den Besatzungsbehörden in Westdeutschland eine enge Zusammenarbeit in allen Angelegenheiten herbeizufĂŒhren, die sich aus dem europĂ€ischen Wiederaufbauprogramm in Bezug auf Westdeutschland ergeben.â Dies widersprach dem Ziel der Sowjetunion nach einer Sicherung der osteuropĂ€ischen Satellitenstaaten durch ein sowjetisch dominiertes Gesamtdeutschland. Als dem Obersten Chef der SMAD, Marschall Sokolowski, in der Kontrollratssitzung am 20. MĂ€rz 1948 Auskunft ĂŒber bisherige Konferenzergebnisse verweigert wurde, verlas er einen vorbereiteten Text, demzufolge die sowjetische Seite ihre Mitarbeit im Alliierten Kontrollrat einstelle. Ab nun kam es vermehrt zu Behinderungen. Besonders folgenreich waren die EinschrĂ€nkungen westalliierter Truppentransporte auf den Zufahrtswegen nach Berlin ab dem 1. April 1948. Die Briten und US-Amerikaner reagierten darauf ab dem 3. April mit der âKleinen LuftbrĂŒckeâ, die drei Tage lang ihre Garnisonen in Berlin versorgen musste.cite-ref-benz-2005-7-1[7]
Im Februar 1948 hatten die USA und GroĂbritannien der sowjetischen Seite im Kontrollrat eine WĂ€hrungsreform in Deutschland vorgeschlagen. Zwar ergab sich der wirtschaftliche Vorteil fĂŒr beide Seiten aus der zunehmenden Entwertung der Reichsmark. In dem eingesetzten Ausschuss des Kontrollrats blieb aber in den kommenden Wochen umstritten, auf welche Weise und durch wen die neue WĂ€hrung kontrolliert werden sollte.
Am 16. Juni 1948 verlieĂ die Sowjetunion nach dem Alliierten Kontrollrat auch die Berliner Alliierte Kommandantur.
Am Freitag, dem 18. Juni 1948, gaben die Westalliierten bekannt, dass am 20. Juni 1948 in ihren Besatzungszonen, mit Ausnahme der jeweiligen Sektoren in Berlin, eine WĂ€hrungsreform erfolgen werde, als Zahlungsmittel werde die Deutsche Mark (DM, auch âD-Markâ) die Reichsmark (RM) ablösen.
â
Hauptartikel
:
WĂ€hrungsreform 1948 (Westdeutschland)
Die weitgehende Entwertung der Reichsmark in den Westzonen lieĂ einen massiven Abfluss von RM von dort in die SBZ erwarten. Daher lieĂ die SMAD zunĂ€chst den gesamten FuĂgĂ€nger-, Personenzug- und Pkw-Verkehr zwischen den Westzonen und Berlin unterbinden und den GĂŒterverkehr auch auf den Wasserwegen streng kontrollieren. In den ersten fĂŒnf Tagen sollen dennoch etwa 90 Millionen Reichsmark in die SBZ gesickert sein.cite-ref-malanowski-schlamassel-11-0[11] AuĂerdem arbeitete die Deutsche Wirtschaftskommission der SBZ unter dem Datum vom 21. Juni 1948 eine Liste weiterer SchutzmaĂnahmen aus, darunter eine WĂ€hrungsreform auch in der SBZ.
â
Hauptartikel
:
WĂ€hrungsreformen in Deutschland
Am 22. Juni 1948 teilte ein SMAD-Vertreter den Vertretern der WestmĂ€chte mit, man âwarneâ diese und die Berliner Bevölkerung, dass die sowjetische Seite âSanktionen in Wirtschaft und Verwaltung anwenden werde, damit in Berlin allein die WĂ€hrung der SBZ verwendet wird.âcite-ref-12[12]cite-ref-miller-1998-9-1[9]
Beginn der Blockade
Der Warnung vom 22. Juni 1948 lieà die sowjetische MilitÀradministration schon am nÀchsten Tag die Sanktionen folgen:
Das GroĂkraftwerk Zschornewitz, das Berlin seit Jahrzehnten mit Strom versorgt hatte, stellte in der Nacht zum 24. Juni 1948 die Belieferung der Westsektoren offiziell ein. Nur einige wenige Gegenden wurden ĂŒber Leitungen, die den Sektorengrenzen nicht folgten, weiter mit Strom aus dem Ostsektor versorgt.cite-ref-harrington-berlin-brink-13-0[13] Die West-Berliner Kraftwerke konnten den fehlenden Strom nicht ersetzen. Viele Lichter in West-Berlin gingen aus. Gegen 6 Uhr am 24. Juni folgte die Unterbrechung des GĂŒterverkehrs und Personenverkehrs auf der Autobahn von Helmstedt (britische Zone) nach West-Berlin und die Absperrung oder Unterbrechung der Schienen. Einige Tage spĂ€ter wurden durch Patrouillenboote entgegen der schriftlichen Zusage von 1946 auch die Fluss- und Kanalwege zwischen West-Berlin und den westlichen Besatzungszonen gesperrt. Nur mehr oder weniger eingeschrĂ€nkt und kontrolliert, aber nicht total blockiert wurden dagegen der Personen- und der GĂŒterverkehr zum Ostsektor der Stadt und zur SBZ.cite-ref-pearson-sweet-victory-the-airlift-14-0[14] So verkehrte die Berliner S-Bahn bis ins Umland weiter.
Bei der Veröffentlichung der bevorstehenden Unterbrechung wurde betont, eine Versorgung der Westsektoren aus der SBZ einschlieĂlich des Ostsektors werde ânicht möglichâ sein. West-Berlin war aber mit seinen damals etwa 2,2 Millionen Menschen wie jede Stadt dieser GröĂe vollstĂ€ndig von der Belieferung von auĂen abhĂ€ngig. Bisher kam davon 75 % aus dem Westen.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-3[3]
Zwar hatten die WestmĂ€chte mit Reaktionen auf die WĂ€hrungsreform gerechnet, die Berlin-Blockade traf sie aber weitgehend unvorbereitet. Erschwerend kam hinzu, dass das VerhĂ€ltnis zwischen Washington, London und Paris gespannt war, da man sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen in Berlin einigen konnte. Folglich gab es bis zur Blockade keine aufeinander abgestimmte Berlinpolitik der Westalliierten. So suchte der US-amerikanische Stadtkommandant Frank Howley noch vor einer Abstimmung mit seinen Vorgesetzten gleich nach Bekanntwerden der Blockade den Radiosender RIAS auf und versicherte: âWir werden Berlin nicht verlassen. Wir werden bleiben. Ich weiĂ keine Lösung fĂŒr die gegenwĂ€rtige Lage â noch nicht â, aber soviel weiĂ ich: Das amerikanische Volk wird es nicht zulassen, dass das deutsche Volk verhungert.âcite-ref-reeves-daring-15-0[15]
Angebliche Ursache der Blockade
Die Blockade war Druckmittel der sowjetischen Seite mit dem Ziel, ĂŒber West-Berlin schlieĂlich Deutschland in das eigene wirtschaftliche und politische System einzuordnen,cite-ref-16[16]cite-ref-17[17] entsprach einer Monate zuvor entwickelten Strategie der sowjetischen Seite und kann als âerste Schlacht des Kalten Kriegesâ verstanden werden.cite-ref-bahr-ostw-rts-18-0[18]cite-ref-depstate-19-0[19] Offen wurde das aber nicht gesagt. ADN, der amtliche Nachrichtendienst der SBZ, machte zwar unmittelbar nach Beginn der Blockade geltend:
âDie Transportabteilung der sowjetischen MilitĂ€rverwaltung sah sich gezwungen, aufgrund technischer Schwierigkeiten den Verkehr aller GĂŒter- und PersonenzĂŒge von und nach Berlin morgen frĂŒh, sechs Uhr, einzustellen.â
Es mĂŒsse im Verlauf der Autobahn von Helmstedt nach West-Berlin ein Dutzend BrĂŒcken repariert werden. Dagegen stand allerdings die âWarnungâ vom 22. Juni 1948 mit dem Verweis auf die WĂ€hrungsreform. Den noch gröĂeren Zusammenhang benannte Sokolowski, als er am 29. Juni 1948 seinem westlichen Kollegen, dem britischen MilitĂ€rgouverneur Sir Brian Robertson, erklĂ€rte, die Blockade könne aufgehoben werden, wenn die Ergebnisse der Londoner SechsmĂ€chtekonferenz âzur Diskussion gestelltâ wĂŒrden, und am 3. Juli 1948 gegenĂŒber Clay, Robertson und Marie-Pierre KĆnig ausfĂŒhrte, die âtechnischen Schwierigkeitenâ wĂŒrden fortdauern, bis der Westen seine PlĂ€ne fĂŒr eine deutsche Regierung der Trizone aufgebe. Diesen ĂŒbergeordneten Zusammenhang drĂŒckte auch Stalin am 2. August 1948 gegenĂŒber den Botschaftern der drei WestmĂ€chte in Moskau aus: Die Blockade könne aufgehoben werden, wenn zugesichert werde, dass die Umsetzung der BeschlĂŒsse von London zurĂŒckgestellt wĂŒrde.cite-ref-miller-1998-9-2[9]
WĂ€hrend der Blockade
Allgemeines
Die Sowjetunion verstĂ€rkte wĂ€hrend der Blockade ihre BemĂŒhungen, den Einfluss der kommunistischen KrĂ€fte in Berlin zu verstĂ€rken. Mitglieder der 1946 demokratisch gewĂ€hlten Stadtverordnetenversammlung, des Magistrats von GroĂ-Berlin und der Bezirksverordnetenversammlungen, BezirksbĂŒrgermeister und Mitarbeiter der Berliner Behörden, die sich nicht der sowjetischen Linie unterordneten, wurden zunehmend belĂ€stigt, schlieĂlich bedroht, als inkompetent oder âSaboteureâ diffamiert, zum Verhör vorgeladen, mit Hausdurchsuchungen ĂŒberzogen, kurzzeitig festgesetzt oder von der SMAD abgesetzt und durch Linientreue ersetzt.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-4[3] Die tĂ€gliche Arbeit und Sitzungen im Neuen Stadthaus wurden zunehmend behindert. Immer mehr AusschĂŒsse verlegten daraufhin mitsamt ihrem Personal und den Akten ihren Sitz in die Westsektoren, vor allem in den Britischen Sektor.cite-ref-20[20] Der von der sowjetischen Besatzungsmacht eingesetzte PolizeiprĂ€sident Paul Markgraf, ein Mitglied der SED, lieĂ das Stadthaus mehrfach durchsuchen, verweigerte Abgeordneten und Mitgliedern des Magistrats und ihrem Personal den Zugang und lieĂ das Stadthaus abriegeln. Obwohl Ende Juli 1948 suspendiert, blieb er im Amt und duldete weiterhin die Lahmlegung der Stadtverordnetenversammlung durch SED-Randalierer. Daraufhin tagte ab dem 6. September 1948 die Berliner Stadtverordnetenversammlung mit Ausnahme der SED-Mitglieder im Britischen Sektor.
Am 9. September 1948 protestierten 300.000 Berliner auf dem Platz der Republik gegen die beginnende Spaltung Berlins durch die Blockade der Westsektoren und die gewalttĂ€tige Vertreibung der 1946 frei gewĂ€hlten Stadtverordneten und Magistratsmitglieder aus dem Ostsektor durch die SED und die SMAD. Der Berliner SPD-FĂŒhrer Ernst Reuter hielt seine weltbekannt gewordene Rede âIhr Völker der Welt [âŠ] schaut auf diese Stadt!â Als nach der Kundgebung Volkspolizisten verhindern wollten, dass Teilnehmer eines Protestzuges zum Alliierten Kontrollrat auch den Sowjetischen Sektor durchqueren, erschoss auf dem Pariser Platz ein Polizist den 15-jĂ€hrigen SchĂŒler Wolfgang Scheunemann.
Am 30. November 1948 erklĂ€rte eine von der SED im Sowjetischen Sektor zusammengerufene Versammlung von SED-, FDGB-, FDJ-Mitgliedern und BetriebsrĂ€ten den Magistrat fĂŒr abgesetzt und setzte einen provisorischen demokratischen Magistrat mit Friedrich Ebert junior als OberbĂŒrgermeister ein. Die sowjetische Besatzungsmacht erkannte diesen sofort als den einzig rechtmĂ€Ăigen Berliner Magistrat an. Damit war die politische Spaltung Berlins vollendet.
Die Legislaturperiode der im Oktober 1946 gewĂ€hlten Stadtverordnetenversammlung sollte zum 20. Oktober 1948 ablaufen. Die SMAD untersagte Vorbereitungen fĂŒr eine Neuwahl, die Westalliierten genehmigten sie am 7. Oktober 1948. SchlieĂlich fand die Wahl in den Westsektoren trotz massiver Behinderungen durch SMAD und SED am 5. Dezember 1948 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 86 %, davon wĂ€hlten etwa 64 % die SPD, 19 % die CDU. Die Abgeordneten wĂ€hlten Ernst Reuter am 7. Dezember 1948 zum OberbĂŒrgermeister â wie schon im Juni 1947, als sein Amtsantritt durch ein sowjetisches Veto verhindert worden war und bis zu seiner erneuten Wahl Louise Schroeder amtiert hatte. Die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat der Westsektoren Berlins hatten ab 1949 ihren Sitz im Rathaus Schöneberg.
WĂ€hrend der Blockade arbeiteten etwa 110.000 Menschen mit Wohnsitz in West-Berlin im sowjetischen Besatzungsgebiet (in Berlin und im Umland) und etwa 106.000 Ost-Berliner im westlichen Teil. AuĂerdem konnten die West-Berliner Bevölkerung und Firmen weiterhin in Ost-Berlin und in der SBZ einkaufen. Auch dort gab es allerdings nur ein knappes Angebot und Rationierungen vieler GĂŒter. Um das AbflieĂen knapper Waren nach West-Berlin einzuschrĂ€nken, erfolgten daher zunehmend Kontrollen durch Ost-Berliner KrĂ€fte sowohl in der U- und S-Bahn als auch in den StraĂen im Grenzbereich zwischen Ost- und West-Berlin. Zur Verbesserung der Kontrollen wurden mehr als 50 dieser StraĂen bis April 1949 geschlossen. Mitgebrachte Waren wurden hĂ€ufig konfisziert. SchlieĂlich musste die Mitnahme praktisch aller GĂŒter von Ost-Berlin nach West-Berlin zuvor beantragt und genehmigt werden.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-5[3]
Allerdings war die Versorgung ĂŒber Lebensmittelkarten in Ost-Berlin schon vor der Blockade groĂzĂŒgiger als in West-Berlin. WĂ€hrend der Blockade wurden nun die Bezirke der SBZ durch âSolidaritĂ€tsaktionenâ wie âDer Bauer reicht Berlin die Handâ gezwungen, sogar ĂŒber das bisherige Ablieferungssoll hinaus Nahrungsmittel nach Berlin zu schicken. Die Sowjetunion wollte die gegenĂŒber dem Westen der Stadt bessere Versorgung im Osten propagandistisch ausnutzen. So bot die SMAD beispielsweise am 21. Juli 1948 mit Befehl Nr. 80 an, ab August auch West-Berliner mit Lebensmitteln und Brennstoff zu versorgen. Jeder West-Berliner bekĂ€me hierzu einen Ost-Berliner Bezirk zugeteilt, in dem er sich registrieren lassen könne, ausdrĂŒcklich auch fĂŒr den Bezug von Frischmilch, die bis dahin durch die LuftbrĂŒcke kaum geliefert wurde. Von diesem Angebot machten allerdings höchstens 103.000 West-Berliner Gebrauch. Diese und weitere Aktionen fĂŒhrten aber dazu, dass sich in der Bevölkerung der SBZ, die selbst deutlich schlechter als Berlin versorgt war, massiver Unmut Ă€uĂerte.cite-ref-tagesspiegel-1261340-4-1[4]cite-ref-21[21]
Suche nach einer Lösung
Die Regierungen der WestmĂ€chte standen schon im Vorfeld der Blockade Berlins vor der Entscheidung, die Stadt aufzugeben. Es gibt widersprĂŒchliche Angaben dazu, welche der fĂŒhrenden westlichen MilitĂ€rs und Politiker sich fĂŒr oder gegen militĂ€rische MaĂnahmen zugunsten von West-Berlin ausgesprochen haben:
Das eine Extrem der Auffassungen wurde durch den britischen MilitĂ€rgouverneur Robertson verkörpert. Er hatte schon vor der Blockade intern geĂ€uĂert, Berlin sei auf Dauer nicht als alliiert verwaltete Stadt inmitten einer sowjetisch besetzten Zone zu halten. Das entsprach damals der Meinung der Mehrheit der Westdeutschen. Am 20. Juni 1948 empfahl Robertson in einem geheimen Schreiben an den politischen Berater des britischen AuĂenministeriums bei der Kontrollkommission William Strang, von Berlin als Viersektorenstadt abzugehen und es stattdessen als Hauptstadt eines âgroĂen Teilsâ von Deutschland anzustreben. Zur Lösung der Deutschen Frage sollten freie Wahlen in ganz Deutschland abgehalten werden, aus denen nach seiner SchĂ€tzung die sozialistischen KrĂ€fte als Verlierer hervorgehen mĂŒssten.cite-ref-22[22] Dieser âRobertson-Planâ wurde von der britischen Regierung aber als zu riskant und politisch undurchfĂŒhrbar abgelehnt.
Am anderen Ende des Meinungsspektrums stand Winston Churchill, immerhin OppositionsfĂŒhrer im britischen Unterhaus: Am 17. April 1948 schlug er dem damaligen stellvertretenden US-amerikanischen AuĂenminister Robert A. Lovett unter Hinweis auf das noch bestehende Kernwaffen-Monopol der USA vor, die Sowjetunion aufzufordern, Berlin und die SBZ zu rĂ€umen, andernfalls wĂŒrden âihre StĂ€dte ausradiertâ.cite-ref-23[23] Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt.cite-ref-shlaim-1983-24-0[24] Etwas gemĂ€Ăigter zugunsten einer militĂ€rischen Intervention Ă€uĂerte sich beispielsweise â nach vielen Autoren â General Clay. Er war der Meinung, dass ein ZurĂŒckweichen der Westalliierten in Berlin zu einem weiteren Vordringen der Sowjetunion fĂŒhren wĂŒrde, und konnte sich dabei auf die Truman-Doktrin berufen, die den Kampf gegen den Kommunismus zum Ziel hatte. Schon am 13. April 1948 hatte er in Frankfurt am Main erklĂ€rt: Niemand kann uns aus Berlin vertreiben! Am 12. April 1948 soll er US-Armee-Chef Omar N. Bradley vorgeschlagen haben, der Sowjetunion bei einer erneuten Blockade mitzuteilen, dass die westalliierten Garnisonen in Berlin VerstĂ€rkung brauchten, und dann demonstrativ je eine US-amerikanische, britische und französische Division bei Helmstedt aufzustellen und ĂŒber die Autobahn nach Berlin einmarschieren zu lassen. Bradley allerdings habe abgelehnt, er halte einen solchen Plan angesichts lĂ€ngerfristiger Ziele in den Westzonen âderzeit nicht fĂŒr wĂŒnschenswertâ.cite-ref-shlaim-1983-24-1[24] Nach anderer Darstellung allerdings war es General LeMay, der Mitte April 1948 an Stelle der schlieĂlich eingerichteten Kleinen LuftbrĂŒcke dafĂŒr plĂ€diert habe, Bodentruppen nach Berlin zu schicken und zugleich (atomwaffenfĂ€hige) B-29-Bomber in Begleitung mit Kampfflugzeugen in Richtung sowjetische LuftstĂŒtzpunkte in der SBZ fliegen zu lassen. Clay habe wegen der Gefahr einer Eskalation sein Veto gegen LeMays Vorschlag eingelegt.cite-ref-schwartz-boom-25-0[25] Zwei Monate spĂ€ter, nach Beginn der Berliner Blockade, soll LeMay seinen Vorschlag wiederholt haben.cite-ref-young-atomic-26-0[26] Mit ihm soll nun auch Clay fĂŒr eine militĂ€rische Lösung geworben haben: Von Heidelberg, wo er zu einer Besprechung war, flog er sofort zurĂŒck nach Berlin und trug dort seinen britischen und französischen Kollegen vor, er sei sicher, die Russen wĂŒrden lediglich bluffen. Er wolle, bevor seine militĂ€rischen Vorgesetzten und der US-PrĂ€sident ihm das untersagen könnten, in Ăbereinstimmung mit LeMay zum Brechen der Blockade 6000 Mann auf der Autobahn nach West-Berlin in Bewegung setzen. Techniker könnten dann die BrĂŒcken reparieren â falls wirklich etwas defekt an ihnen sei.cite-ref-reeves-daring-15-1[15]cite-ref-tusa-tusa-1989-3-6[3] Botschafter Murphy soll Clay darin unterstĂŒtzt haben.cite-ref-tsouras-cold-hot-27-0[27] Nach dem Plan Clays sollte LeMay, falls die Sowjets diese Bodentruppen angriffen, alle sowjetischen FlugplĂ€tze und Flugzeuge in Deutschland durch Luftangriffe vernichten.cite-ref-reeves-daring-15-2[15] Am 25. Juni 1948 bekrĂ€ftigte Clay gegenĂŒber der Presse, nur ein Krieg könne die USA aus Berlin vertreiben. Am selben Tag wandte er sich ĂŒber eine Telefonkonferenz an seine Vorgesetzten im Department of the Army in Washington und trug vor, die Bevölkerung von West-Berlin werde in zwei oder drei Wochen ernsthaft in Not kommen. Er sei ĂŒberzeugt, dass ein Versorgungskonvoi mit TruppenunterstĂŒtzung von den Westzonen aus Berlin erreichen könne, und dass solch eine Machtdemonstration die Entwicklung zu einem Krieg eher verhindern als begĂŒnstigen werde. In fĂŒr ihn typischer Weise hatte Clay aber schon vor KlĂ€rung dieser Frage am 24. Juni 1948 den Kommandanten der US Air Forces in Europa Curtis E. LeMay angerufen und um das Einfliegen von Lebensmitteln nach West-Berlin gebeten.cite-ref-shlaim-1983-24-2[24]cite-ref-tusa-tusa-1989-3-7[3] US-PrĂ€sident Harry S. Truman lehnte zwar schlieĂlich aufgrund des Risikos einer Kriegsprovokation eine militĂ€rische Aktion ab. Daher wurde es Clay am 26. Juni 1948 untersagt, etwas zu unternehmen, was die Gefahr eines Kriegs mit sich bringe. Immerhin ordnete Truman aber am 28. Juni 1948 an, drei Groups der atomwaffenfĂ€higen Langstreckenbomber B-29 der US Air Force nach Europa zu ĂŒberfĂŒhren. Eine davon war kurzzeitig auf dem Flugplatz FĂŒrstenfeldbruck in Bayern stationiert, bevor sie zu den beiden anderen nach England verlegt wurde. Die Maschinen waren allerdings nicht mit Atombomben bestĂŒckt.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-8[3]
Andere Autoren wiederum machen geltend, dass es gerade Clay (wie schon im April 1948) und LeMay waren, die von militĂ€rischer Drohung abrieten: So habe beispielsweise LeMay gegenĂŒber PrĂ€sident Truman zu einer LuftbrĂŒcke geraten, denn es sei âunnötigâ, zum Entsatz von Berlin Bodentruppen einzusetzen.cite-ref-nutter-possum-eagle-28-0[28]
Ăbereinstimmend wird berichtet, dass Clays britischer Kollege Robertson sich stets strikt gegen den Einsatz militĂ€rischer Gewalt zur Brechung der Blockade erklĂ€rte. Das wĂŒrde Krieg bedeuten. Die britische Seite wĂŒrde dazu keine UnterstĂŒtzung geben, und die französische wohl auch nicht. Als Clay schlieĂlich Aktionen militĂ€rischer Art untersagt wurden, schlug Robertson vor, die seit der Kleinen LuftbrĂŒcke von Anfang April 1948 auf niedrigem Niveau fortgesetzte Versorgung der britischen und US-amerikanischen Garnisonen ĂŒber die Luft (Operation Knicker) auszuweiten auf eine LuftbrĂŒcke, die auch die Zivilbevölkerung aller drei Westsektoren versorgen könnte.cite-ref-reeves-daring-15-3[15] Clay nahm diesen Gedanken sofort auf.
Berliner LuftbrĂŒcke
â
Hauptartikel
:
Berliner LuftbrĂŒcke
Der Chef der britischen LuftwaffenverbĂ€nde in Berlin Reginald âRexâ Waite hatte nach der âKleinen LuftbrĂŒckeâ von Anfang April 1948 ausarbeiten lassen, wie die Westsektoren Berlins einige Wochen lang in einer Operation Knicker ĂŒber eine LuftbrĂŒcke versorgt werden könnten. Unter Bezug hierauf befahl General Clay am 25. Juni 1948 die Errichtung einer LuftbrĂŒcke. Am 26. Juni flog die erste Maschine der US-amerikanischen Luftwaffe zum Flughafen Tempelhof in Berlin und startete damit die Operation Vittles (Operation Proviant). Die britische Luftwaffe beteiligte sich an dem Unternehmen mit Operation Carter Patterson, bald umbenannt in Operation Plainfare.
Die ungĂŒnstige militĂ€rische Lage und die Schwierigkeit einer Versorgung ĂŒber die Luftwege war auch den Berliner Politikern bewusst. Der gewĂ€hlte Berliner BĂŒrgermeister Reuter Ă€uĂerte am 25. Juni 1948 nach Erinnerung Willy Brandts, er bewundere zwar Clays Entschlossenheit, glaube aber nicht, dass auf diese Weise die Versorgung möglich sei.cite-ref-shlaim-1983-24-3[24]cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]cite-ref-tusa-tusa-1989-3-9[3] Auch Otto Suhr, damals immerhin Vorsteher der Berliner Stadtverordnetenversammlung, meinte, die West-Alliierten wĂŒrden schlieĂlich aufgeben und Berlin verlassen. Entsprechend gaben im Juli 1948 von Westalliierten befragt 86 % der Berliner an, Berlin wĂŒrde trotz der LuftbrĂŒcke nicht ĂŒber den Winter kommen, sondern in einigen Monaten gegenĂŒber den Russen kapitulieren mĂŒssen. Das sagten die Ost-Berliner Medien ohnehin voraus. Auch in den Westzonen stieĂ die UnterstĂŒtzung des eingeschlossenen West-Berlins durch Abgaben wie dem Notopfer Berlin auf Skepsis und Kritik. In der West-Berliner Bevölkerung aber nahm mit der Fortsetzung der LuftbrĂŒcke die Zuversicht zu. Eine Umfrage im Oktober 1948 durch die US-MilitĂ€rregierung erbrachte, dass nun neun von zehn Berlinern strikt erklĂ€rten, sie wĂŒrden die Bedingungen der Blockade einer kommunistischen Herrschaft vorziehen. 85 % der Befragten waren jetzt zuversichtlich, dass die LuftbrĂŒcke sie ĂŒber den Winter bringen wĂŒrde.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-10[3]
âGeneral Winterâ versagt
Die Aussicht, mit einer LuftbrĂŒcke die Westsektoren zu versorgen, wurde seitens der westlichen Alliierten zunĂ€chst als schlecht eingeschĂ€tzt. Die LuftbrĂŒcke sollte vielmehr vor allem Zeit fĂŒr Verhandlungen gewinnen helfen. Von Anfang an war klar, dass die Wintermonate besonders schwierig werden wĂŒrden: Der Hungerwinter 1946/47 zwei Jahre zuvor war auch in Berlin extrem hart und lang gewesen.cite-ref-schlaak-31-0[31] Er hatte in Zusammenwirken mit der UnterernĂ€hrung weiter Teile der Bevölkerung und der Zerstörung vieler Wohnungen zu mehreren Tausend KĂ€ltetoten gefĂŒhrt.cite-ref-32[32] Die westlichen Alliierten schĂ€tzten, dass selbst bei durchschnittlichem Wetterverlauf wegen schlechter Sicht, beeintrĂ€chtigter Start- und Landebahnen und Vereisungen der wartenden Flugzeuge im Winter etwa 30 % weniger Tonnage als im Sommer eingeflogen werden könnte. Zugleich aber wĂŒrde der Bedarf an Kohle fĂŒr die Heizungen deutlich zunehmen. Alle LagerbestĂ€nde wĂŒrden unter diesen UmstĂ€nden bis zur dritten oder vierten Januarwoche aufgebraucht sein.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-11[3] Der britische Befehlshaber Robertson erklĂ€rte seinem auĂenpolitischen Berater Strang daher um die Jahreswende 1948/49, âalles wĂŒrde vom Wetter abhĂ€ngenâ. Noch im Februar 1949 beharrte er darauf, dass die LuftbrĂŒcke West-Berlin ânicht auf Dauerâ werde versorgen können.cite-ref-harrington-berlin-brink-13-1[13] Die sowjetische Seite rechnete damit, dass âGeneral Winterâ ihr wie wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs auch dieses Mal zu Hilfe kommen wĂŒrde. Zugunsten West-Berlins allerdings versagte âGeneral Winterâ wĂ€hrend der Blockade seine Mitarbeit:cite-ref-miller-1998-9-3[9] Schon der Winter 1947/48 war weniger streng gewesen. Der Winter wĂ€hrend der Blockade wurde regelrecht mild: Die durchschnittlichen Temperaturen erinnerten mehr an einen spĂ€ten Herbst oder ein beginnendes FrĂŒhjahr.cite-ref-harrington-berlin-brink-13-2[13] Gab es im Winter 1946/47 noch 65 Tage, an denen das Thermometer in der Wetterstation Dahlem unter null Grad Celsius blieb, so waren es 1947/48 nur 14 Tage und wĂ€hrend des Blockadewinters sogar nur elf Tage.cite-ref-schlaak-31-1[31] Die Folge war, dass die LuftbrĂŒcke den Bedarf der Westsektoren an Kohle und Lebensmitteln auch im Winter knapp einfliegen konnte.cite-ref-33[33] Bei einer Tagesration von 400 Gramm Brot, 50 Gramm NĂ€hrmittel, 40 Gramm Fleisch, 30 Gramm Fett, 40 Gramm Zucker, 400 Gramm Trockenkartoffeln und 5 Gramm KĂ€se fĂŒr den ânormalen Verbraucherâ verhungerten die West-Berliner nicht, wenn sie auch stĂ€ndig hungrig waren. Bei einer Zuteilung von 12,5 Kilogramm Holz, Kohle oder Kohleersatz pro Kopf fĂŒr den gesamten Winter war an gut geheizte Wohnungen nicht zu denken, aber die öffentlichen WĂ€rmestuben waren eine ErgĂ€nzung. Strom und Gas waren tagsĂŒber meistens abgeschaltet, daher wurde nachts gekocht.cite-ref-malanowski-schlamassel-11-1[11] Hier fanden die bereits im Ersten Weltkrieg propagierten Kochkistencite-ref-34[34]cite-ref-35[35] wieder breite Verwendung, um das Essen anzukochen und bis mittags fertig garen zu lassen.cite-ref-36[36]
Versorgung knapp gesichert
Die Westalliierten konnten durch immer bessere Organisation, mehr und besser geschultes Personal sowie mehr und gröĂere Flugzeuge laufend steigende Frachtleistungen erzielen. Strom, Kohle fĂŒr Heizungen und Lebensmittel mussten zwar weiterhin rationiert werden, aber die Versorgung besserte sich allmĂ€hlich und war schlieĂlich fĂŒr manche GĂŒter besser als vor der Blockade. In bescheidenem Umfang konnten sogar in den Westsektoren produzierte GĂŒter als Luftfracht wieder in die Westzonen exportiert werden.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-12[3] Ausschlaggebend waren umfassende SparmaĂnahmen. So stellten beispielsweise U-Bahnen und StraĂenbahnen zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens den Betrieb ein, Busse verkehrten gar nicht.cite-ref-37[37]
Tödliche Zuspitzung
Als die LuftbrĂŒcke nicht aufgegeben wurde, sondern ihre Leistung fortwĂ€hrend steigerte, behinderte die sowjetische Seite zunehmend die Luftkorridore. Das geschah beispielsweise durch Manöver am Boden mit EinschieĂen von Granaten in die Korridore, vor allem aber durch Eindringen sowjetischer Flugzeuge in die Korridore, die sich dann bewusst den schwerfĂ€lligen Frachtmaschinen nĂ€herten und um sie herum Manöver flogen.cite-ref-38[38]
Am 14. Oktober 1948 suchte Clay seinen sowjetischen Kollegen Sokolowski auf. Der bestritt jedes Fehlverhalten der sowjetischen Seite; vielmehr sei eine C-54 provokativ auĂerhalb des Korridors geflogen. Derartige in letzter Zeit wiederholte VerstöĂe seitens der US-amerikanischen Flieger hĂ€tten nunmehr die Vereinbarung von 1945 ĂŒber die westalliierten Luft-Korridore ungĂŒltig gemacht. Clay forderte daraufhin bei LeMay Kampfflugzeuge zum Schutz des Luftkorridors an. Am 18. Oktober 1948 soll es ebenfalls im Luftkorridor ĂŒber Berlin nach Eröffnung des Feuers durch ein sowjetisches Flugzeug zum Abschuss einer sowjetischen Jak und zur BeschĂ€digung mehrerer Jaks durch US-amerikanische Kampfflugzeuge gekommen sein.cite-ref-tsouras-cold-hot-27-1[27]
Gegenblockade
Seit September 1948 untersagten die WestmĂ€chte, bestimmte GĂŒter in die SBZ zu liefern, und machten den Export anderer GĂŒter von Lizenzen abhĂ€ngig: In zunehmendem Umfang wurden absolut exportuntersagte Waren in einer A-Liste erfasst, zulassungsbedĂŒrftige Waren in einer B-Liste. Im April 1949 beklagte Heinrich Rau, Vorsitzender der ostdeutschen Wirtschaftskommission, einen Zustand der wirtschaftlichen Stagnation in der SBZ, der dem Abschneiden von Westdeutschland zuzuschreiben sei. Am 6. Mai 1949 befahl Tjulpanow seitens der SMAD, in Anbetracht der abzusehenden Aufhebung der Konter-Blockade die VorrĂ€te wieder aufzustocken. Zugleich allerdings wurden Beamte der Wirtschaftskommission darĂŒber unterrichtet, dass die Berlin-Blockade wieder aufgenommen werde, sowie die Verknappung der ostdeutschen Wirtschaft beseitigt sei, falls die West-Sektoren nicht bis Herbst âgefallenâ wĂ€ren.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-13[3]
Die Wirkung dieses westlichen Embargos wurde dadurch verstĂ€rkt, dass die Wirtschaft der SBZ auch nach der WĂ€hrungsreform von 1948 zunĂ€chst in einem schlechten Zustand verblieb: Bis Ende 1947 waren als Reparationsleistungen vermutlich 65 % der industriellen KapazitĂ€t in die Sowjetunion abtransportiert worden. AuĂerdem mussten immer noch hohe Abgaben an die Sowjetunion aus der laufenden Produktion erbracht werden. Hinzu kamen Umstellungsprobleme durch die Bodenreform und die politisch gewĂŒnschte SchwĂ€chung der privaten Wirtschaft zugunsten Sowjetischer Aktiengesellschaften und Volkseigener Betriebe.cite-ref-tusa-tusa-1989-3-14[3] Wirtschaftliche Impulse wie in der Westzone der Marshallplan fehlten in der SBZ. Seit Anfang 1949 flohen monatlich Zehntausende von dort in den Westen, viele davon in berufstĂ€tigem Alter und gut ausgebildet. Mitte 1949 waren 398.000 Ost-Deutsche arbeitslos gemeldet.cite-ref-39[39]
Kulturdiplomatie
Die Sowjetunion begann eine kulturpolitische Offensive, bei der das Alexandrow-Ensemble der Roten Armee am 9. August 1948 im Admiralspalast und am 18. August auf dem Gendarmenmarkt vor Massenpublikum auftrat. Die Briten konterten mit einem elisabethanischen Festival, das kleinere, hochkulturelle Produktionen prĂ€sentierte, bei denen Studenten der University of Cambridge Werke von William Shakespeare und Henry Purcell auffĂŒhrten.cite-ref-40[40]
Ende der Blockade
Die LuftbrĂŒcke konnte offenkundig die Versorgung West-Berlins lĂ€ngere Zeit zumindest im Sommer und wĂ€hrend milden Winterwetters gewĂ€hrleisten. Politisch demonstrierte sie auĂerdem den Willen der WestmĂ€chte, West-Berlin vor einer sowjetischen Annexion zu bewahren. Die West-Berliner Bevölkerung empfand die Blockade als Teil der sowjetischen Bedrohung. Dagegen hatte sich das VerhĂ€ltnis der drei westlichen Alliierten untereinander und zur West-Berliner Bevölkerung durch die Vorkommnisse deutlich verbessert. AuĂerdem gab es die nachteiligen Folgen der Gegen-Blockade auf die Wirtschaft der SBZ und von Ost-Berlin. Die Sowjetunion verhandelte daher seit Februar 1949 insgeheim mit den WestmĂ€chten ĂŒber die Beendigung der Blockade. Auf der Grundlage des Jessup-Malik-Abkommens lieĂ General Tschuikow schlieĂlich durch Befehl Nr. 56 die Blockade aufheben:cite-ref-tagesspiegel-1261340-4-2[4] Kurz vor Mitternacht vom 11. auf den 12. Mai 1949 wurden die Westsektoren wieder mit Strom versorgt und um 0:01 Uhr wurde die Blockade der Verkehrswege zu Land und Wasser aufgehoben. Es kam mit mehreren erneuten EinschrĂ€nkungen und entsprechenden Protesten der westlichen Stadtkommandantencite-ref-tusa-tusa-1989-3-15[3] schlieĂlich bis zum Herbst 1949 wieder zu einer Lage der Verkehrswege, wie sie vor Beginn der Blockade seitens der sowjetischen Seite zugestanden worden war. Die FlĂŒge der LuftbrĂŒcke wurden schrittweise verringert, bis LagerbestĂ€nde fĂŒr etwa zwei Monate erreicht waren, dann am 30. September 1949 offiziell eingestellt.
US-Kommandant Clay hatte wĂ€hrend der LuftbrĂŒcke in Auseinandersetzungen mit vorgesetzten Dienststellen schon mehrfach um seine Versetzung gebeten, am 15. Mai 1949 reichte er tatsĂ€chlich seinen RĂŒcktritt als MilitĂ€rgouverneur ein. Zur Abschiedsfeier wĂŒrdigte BĂŒrgermeister Reuter Clays Wirken fĂŒr die Stadt; auch der PrĂ€sident des Parlamentarischen Rates Konrad Adenauer, bald darauf der erste westdeutsche Bundeskanzler, war angereist.
Folgen der Blockade
Ăbergeordneter politischer Zusammenhang
Egon Bahr, selbst betroffen von der Blockade und spÀter Mitentwickler und Berater Willy Brandts in der Entspannungspolitik, urteilte:cite-ref-bahr-ostw-rts-18-1[18]
âVon Lenin soll der Ausspruch stammen: Wer Berlin hat, hat Deutschland, und Deutschland ist der SchlĂŒssel fĂŒr Europa. Die im Juni 1948 beginnende Blockade Berlins durch die Sowjetunion ist die erste Schlacht des Kalten Krieges â und endete mit einer Niederlage Stalins: Der Einsatz seiner âHungerwaffeâ misslang, etwa zwei Millionen Einwohner der Westsektoren der Stadt wurden von den Amerikanern 15 Monate lang ĂŒber eine LuftbrĂŒcke mit lebenswichtigen GĂŒtern versorgt.â
Durch die sowjetische Blockade verfestigte sich der bereits in der Weimarer Republik angelegte antikommunistische Grundkonsens im Westen. Sonderaktionen wie etwa zu Weihnachten 1948 und Ostern 1949 und Gesten wie die vom Piloten Gail Halvorsen initiierte Operation Little Vittles sowie eine intensive Ăffentlichkeitsarbeit und die Kenntnis der tödlichen UnfĂ€lle auf westalliierter Seite im Rahmen der LuftbrĂŒcke brachten allmĂ€hlich Zuversicht und zunehmende Anerkennung der westalliierten Hilfe. In den Westzonen und fĂŒr die West-Berliner ââInsulanerâ und WeltbĂŒrger zugleichâ kam es durch die Berlin-Blockade und die LuftbrĂŒcke zu einem Ăbergang in der Wahrnehmung: Aus Besatzern wurden populĂ€re SchutzmĂ€chtecite-ref-dittberner-gro-ekoalition-kleineschritte-92-41-0[41] gegenĂŒber der nun endgĂŒltig als Bedrohung wahrgenommenen Sowjetunion, gar âherzlich war der Kontakt der politischen Klasse zu den Briten, Franzosen und Amerikanernâ.cite-ref-dittberner-gro-ekoalition-kleineschritte-92-41-1[41] Blockade und LuftbrĂŒcke wurden so zum Wendepunkt der Beziehungen zwischen den besiegten Deutschen und den Westalliierten und trugen zusammen mit dem Marshallplan zur Verbesserung insbesondere der deutsch-amerikanischen Beziehungen bei.
Als Zeichen des aufziehenden Kalten Krieges wurde am 4. April 1949 in Washington ein transatlantisches VerteidigungsbĂŒndnis, die NATO, abgeschlossen. Auch die GrĂŒndung eines Weststaates, der Bundesrepublik Deutschland, die vorerst nur fĂŒr den Westen Deutschlands handeln konnte, obwohl sie nach eigenem VerstĂ€ndnis fĂŒr Gesamtdeutschland Verantwortung trug, stand unter dem Eindruck der Berliner Blockade. Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verkĂŒndet, das aber nach MaĂgabe der Alliierten fĂŒr Berlin (zunĂ€chst) nicht gelten sollte.
Noch weitere zwei Mal war Berlin Schauplatz eines schweren Konfliktes: 1958 stellte Chruschtschow sein Berlin-Ultimatum, in dem er die Umwandlung der Stadt zu einer so genannten Freien Stadt forderte, und 1961 wurde die Berliner Mauer errichtet.
Folgen vor Ort
Infolge der Blockade wurde in West-Berlin die Bevorratung von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und anderen lebensnotwendigen GĂŒtern fĂŒr die Bevölkerung, spĂ€ter als Senatsreserve bezeichnet, angeordnet.
1951 wurde zum Gedenken an die LuftbrĂŒcke und ihre Opfer das LuftbrĂŒckendenkmal (auch âHungerharkeâ bzw. âHungerkralleâ genannt) in Berlin errichtet. Seit 1985 beziehungsweise 1988 stehen auch jeweils eine Kopie am Flughafen Frankfurt Main und am Heeresflugplatz Celle. Die drei Streben am Ende der Figur verweisen auf die damals genutzten Luftkorridore.
1959 wurde durch Willy Brandt die gemeinnĂŒtzige Stiftung LuftbrĂŒckendank errichtet. Nach seinem Spendenaufruf kamen rund 1,6 Millionen DM zusammen. Aus den Zinsen des Stiftungskapitals konnten Angehörige der Opfer der LuftbrĂŒcke finanziell unterstĂŒtzt werden. Heute fördert die Stiftung Projekte und Ideen, die sich mit dem Thema âLuftbrĂŒcke und Berlin-Blockadeâ auseinandersetzen.cite-ref-42[42]
Siehe auch
Literatur
âą Corine Defrance, Bettina Greiner, Ulrich Pfeil (Hrsg.): Die Berliner LuftbrĂŒcke. Erinnerungsort des Kalten Krieges. Christoph Links, Berlin 2018, ISBN 978-3-86153-991-9.
âą Daniel A. Harrington: Berlin on the Brink. The Blockade, the Airlift and the Early Cold War. University Press of Kentucky, Lexington 2012, ISBN 978-0-8131-3613-4.
âą Joseph Pearson: Sweet Victory / The Airlift. Pegasus Books, New York 2025, ISBN 978-1639368587.
âą Avi Shlaim: The United States and the Berlin Blockade 1948â1949. A Study in Crisis Decision-Making. University Press, Berkeley 1989, ISBN 0-520-06619-7.
âą Udo Wetzlaugk: Berliner Blockade und LuftbrĂŒcke 1948/49. Landeszentrale fĂŒr politische Bildung, Berlin 1998.
Weblinks
Commons
: Berlin Blockade
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Die Berliner Blockade. (Memento vom 8. Februar 2008 im Internet Archive)
âą Berliner Blockade und LuftbrĂŒcke bei Lemo
âą Projekt LuftbrĂŒcke (400 Dokumente zur Berliner Blockade und LuftbrĂŒcke; originale Zeitungsartikel, Banknoten, politische Dokumente, Fotos, Alltag) â Angebot der verkehrswerkstatt.de fĂŒr Schulen
âą Literaturliste (PDF; 29 kB) der Stiftung LuftbrĂŒckendank
âą The Berlin Crisis 1948/1949. In: United States Department of State (Hrsg.): Foreign Relations of the United States (FRUS) series, Kap. IV, S. 867â1284
Einzelnachweise
cite-note-11. â Protokoll ĂŒber die Besatzungszonen in Deutschland und die Verwaltung von GroĂ-Berlin, London, 12. September 1944 in der deutschen Ăbersetzung der Fassung bei Inkrafttreten am 7./8. Mai 1945.
cite-note-22. â Michael Schweitzer: Staatsrecht III. Staatsrecht, Völkerrecht, Europarecht. 10. Auflage. C.F. MĂŒller, Heidelberg 2010, Rn. 615. Daniel-Erasmus Khan: Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2004, S. 89 Fn. 174.
cite-note-tusa-tusa-1989-33. â Ann Tusa, John Tusa: The Berlin Blockade. Coronet Books, London 1989, ISBN 0-340-50068-9.
cite-note-tagesspiegel-1261340-44. â Die andere Seite der Blockade. In: Der Tagesspiegel vom 22. Juni 2008.
cite-note-55. â Geoffrey Roberts: Stalinâs Wars: From World War to Cold War, 1939â1953. Yale University Press, 2006, ISBN 0-300-11204-1, S. 405.
cite-note-66. â John Lamberton Harper: American Visions of Europe: Franklin D. Roosevelt, George F. Kennan und Dean G. Acheson. Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-56628-2, S. 122.
cite-note-benz-2005-77. â Wolfgang Benz: Berlin â auf dem Weg zur geteilten Stadt. In: Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung. Heft 259, 2005.
cite-note-88. â Laufer, Kynin (Hrsg.): Die UdSSR und die deutsche Frage, 1941â1948. Band 3, S. 589, zit. n. Manfred Wilke: The Path to the Berlin Wall: Critical Stages in the History of Divided Germany. Berghahn Books, 2014, ISBN 978-1-78238-289-8.
cite-note-miller-1998-99. â Roger Gene Miller: To Save a City: The Berlin Airlift 1948â1949. Air Force History and Museum Program, United States Government Printing Office, 1998, 1998-433-155/92107; afhso.af.mil (PDF; 9,8 MB) S. 11.
cite-note-1010. â Das KommuniquĂ© der Londoner Besprechungen ĂŒber Deutschland vom 6. MĂ€rz 1948.
cite-note-malanowski-schlamassel-1111. â Wolfgang Malanowski: 1945â1948: Schlamassel Berlin â WĂ€hrungsreform und sowjetische Blockade 1948/49. (Memento vom 21. November 2016 im Internet Archive) In: Der Spiegel special, Heft 4/1995, S. 132â138.
cite-note-1212. â âWe are warning both you and the population of Berlin that we shall apply economic and administrative sanctions that will lead to the circulation in Berlin exclusively of the currency of the Soviet occupation zone.â
cite-note-harrington-berlin-brink-1313. â Daniel F. Harrington: Berlin on the Brink: The Blockade, the Airlift, and the Early Cold War. University Press of Kentucky, 2012, ISBN 978-0-8131-3613-4.
cite-note-pearson-sweet-victory-the-airlift-1414. â Joseph Pearson: Sweet Victory / The Airlift. Pegasus Books, 2025, ISBN 978-1639368587.
cite-note-reeves-daring-1515. â Richard Reeves: Daring Young Men: The Heroism and Triumph of The Berlin Airlift, June 1948 â May 1949. Simon and Schuster, New York 2010, ISBN 978-1-4391-9984-8.
cite-note-1616. â Dirk Rotenberg, Otto BĂŒsch: Berliner Demokratie zwischen Existenzsicherung und Machtwechsel: Die Transformation der Berlin-Problematik 1971 bis 1981. In: Schriften der Historischen Kommission zu Berlin, Band 5. Haude & Spener, 1995, ISBN 3-7759-0371-2, S. 547 ff.
cite-note-1717. â Rudolf Luster: Ein Berliner fĂŒr Europa. Libertas, 1989, ISBN 3-921929-84-9.
cite-note-depstate-1919. â The Berlin Airlift, 1948â1949. In: US Department of State (Hrsg.): Milestones: 1945â1952. Abgerufen am 23. Oktober 2016.
cite-note-2020. â Ausschnitte aus der RIAS-Reportage von JĂŒrgen Graf und Peter Schultze aus dem Neuen Stadthaus am 06. September 1948 (Störung der Sitzung der StVV). (Memento vom 20. Februar 2013 im Internet Archive).
cite-note-2121. â Deutsche Geschichten. Berliner Blockade. In: deutschegeschichten.de. Cine Plus Leipzig / Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (bpb), archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 17. November 2015; abgerufen am 24. April 2015.
cite-note-2222. â Jeremy Noakes, Peter Wende, Jonathan Wright (Hrsg.): Britain and Germany in Europe, 1949â1990. Studies of the German Historical Institute London. Oxford University Press, 2002, ISBN 0-19-924841-9.
cite-note-2323. â âto tell the Soviets that if they do not retire from Berlin and abandon Eastern Germany [âŠ] we will raze their citiesâ
cite-note-shlaim-1983-2424. â Avi Shlaim: The United States and the Berlin Blockade, 1948â1949: A Study in Crisis Decision-making. In: International crisis behavior series, Vol. 2, University of California Press, 1983, ISBN 0-520-04385-5; 463 S.
cite-note-schwartz-boom-2525. â Benjamin Schwartz: Right of Boom: The Aftermath of Nuclear Terrorism. The Overlook Press, New York 2015, ISBN 978-1-4683-1154-9.
cite-note-tsouras-cold-hot-2727. â Peter G. Tsouras (Hrsg.): Cold War Hot: Alternate Decisions of the Cold War. Tantor eBooks, 2011, ISBN 978-1-61803-023-8.
cite-note-nutter-possum-eagle-2828. â Ralph H. Nutter: With the Possum and the Eagle: The Memoir of a Navigatorâs War Over Germany and Japan. In: North Texas Military Biography and Memoir Series. No. 2, 2005, University of North Texas Press, ISBN 1-57441-198-5.
cite-note-2929. â Judith Michel: Willy Brandts Amerikabild und -politik 1933â1992. Band 6, Seite 91 in: Dittmar Dahlmann, Christian Hacke, Klaus Hildebrand, Christian Hillgruber, Joachim Scholtyseck (Hrsg.): Internationale Beziehungen. Theorie und Geschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, ISBN 978-3-86234-126-9.
cite-note-3030. â Helena P. Schrader: The Blockade Breakers: The Berlin Airlift. The History Press, GroĂbritannien 2011, ISBN 978-0-7524-6803-7.
cite-note-schlaak-3131. â Paul Schlaak: Wetter und Witterung in Berlin von 1945â1948. In: Berlinische Monatsschrift (LuisenstĂ€dtischer Bildungsverein). Heft 12, 2000, ISSN 0944-5560 (luise-berlin.de).
cite-note-3232. â Stefan Paul Werum: Gewerkschaftlicher Niedergang im sozialistischen Aufbau: der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) 1945 bis 1953. In: Schriften des Hannah-Arendt-Instituts fĂŒr Totalitarismusforschung, Hannah-Arendt-Institut fĂŒr Totalitarismusforschung, Band 26. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-36902-6.
cite-note-3333. â Allied Occupation of Germany, 1945-52. In: Archive for the U.S. Department of State.
cite-note-3434. â Im Interesse der hungernden Bevölkerung â die GrĂŒndung des Landkreistages im Ersten Weltkrieg. (Memento vom 21. Oktober 2007 im Internet Archive; PDF; 4,2 MB) S. 6
cite-note-3535. â Esslinger Ortsgeschichte (Memento vom 2. Juli 2010 im Internet Archive) (S. 94; PDF; 545 kB)
cite-note-3636. â Kochkiste wĂ€hrend der Berlinblockade
cite-note-3737. â Brigitte Grunert: Parole West: Frieren und durchhalten. In: Der Tagesspiegel, 24. Juni 2008, abgerufen am 2. August 2023.
cite-note-3838. â Nach anderweitig nicht bestĂ€tigten Angaben soll am 13. Oktober 1948 im Luftkorridor nahe Tempelhof eine US-amerikanische C-54 von einem sowjetischen Jagdflugzeug des Herstellers Jakowlew (Jak) gerammt und zum Absturz (mit Verlust der Besatzungen) gebracht worden sein.
cite-note-3939. â Dierk Hoffmann: Aufbau und Krise der Planwirtschaft: Die ArbeitskrĂ€ftelenkung in der SBZ/DDR 1945 bis 1963 (= Veröffentlichungen zur SBZ-/DDR-Forschung im Institut fĂŒr Zeitgeschichte, Band 60). Oldenbourg, MĂŒnchen 2002, ISBN 3-486-59619-5, S. 108.
cite-note-4040. â Joseph Pearson: Sweet Victory. Pegasus Books, New York 2025, ISBN 979-83-4910995-9 (englisch).
cite-note-dittberner-gro-ekoalition-kleineschritte-92-4141. â Zit. n. JĂŒrgen Dittberner: GroĂe Koalition, kleine Schritte. Politische Kultur in Deutschland. Logos, Berlin 2006, ISBN 3-8325-1166-0, S. 92.
cite-note-4242. â Stiftung LuftbrĂŒckendank (PDF; 2,7 MB) stiftung-luftbrueckendank.de